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OLG Hamm 12.8.2013, 3 U 57/13

Frauenarzt haftet für zu spät erkannten Brustkrebs

Ein Frauenarzt haftet auf Schadensersatz, weil er einer Patientin, bei der im Jahre 2010 Brustkrebs diagnostiziert wurde, nicht bereits bei der im Jahre 2008 durchgeführten Krebsvorsorgeuntersuchung zu einem - zu dieser Zeit als einzig sichere Methode zur Senkung des Mortalitätsrisikos anerkannten - Mammographiescreening geraten hat. Dies gilt umso mehr, wenn es der Patienten während ihrer Behandlung ersichtlich auf die Minimierung jedweden Brustkrebsrisikos ankam.

Der Sachverhalt:
Die heute 66-jährige Klägerin befand sich seit langen Jahren in frauenärztlicher Behandlung beim beklagten Arzt in Dorsten. Der Beklagte nahm jährliche Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen vor, bei denen er neben der klinischen Untersuchung eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Brust veranlasste. Im Jahre 2001 fand eine Mammographie statt, zu deren Wiederholung der Beklagte der Klägerin erst im Jahre 2010 riet.

Aus der dann durchgeführten Mammographie ergab sich der Verdacht eines Mammakarzinoms in einer Brust. Der Tumor wurde in der Folgezeit diagnostiziert und operativ behandelt, wobei befallene Lymphknoten entfernt werden mussten. Im Anschluss hieran hatte sich die Klägerin einer Strahlentherapie und einer Chemotherapie zu unterziehen.

Die Klägerin verlangt vom Beklagten umfassenden Schadensersatz, u.a. ein Schmerzensgeld i.H.v. 25.000 €. Sie ist der Ansicht, der Brustkrebs wäre bei ihr früher zu erkennen und weniger belastend zu behandeln gewesen, wenn ihr der Beklagte im Rahmen der Krebsvorsorge ab dem Jahr 2002 zu einer Mammographie geraten hätte.

Das OLG gab der Klage weitgehend statt und sprach der Klägerin ein Schmerzensgeld i.H.v. 20.000 € zu.

Die Gründe:
Der Beklagte haftet, da er der Klägerin nicht bereits bei der Vorsorgeuntersuchung im Jahre 2008 zur Teilnahme an einem Mammographiescreening geraten hat.

Zu dieser Zeit war eine Mammographie als einzig sichere Methode zur Senkung des Mortalitätsrisikos anerkannt. Im speziellen Fall der Klägerin war der unterlassene Rat, an einem Mammographiescreening teilzunehmen, sogar als grober Behandlungsfehler zu bewerten, weil es der Klägerin während ihrer Behandlung ersichtlich auf die Minimierung jedweden Brustkrebsrisikos ankam und der Beklagte ihr zudem zuvor ein Medikament verordnet hatte, das geeignet war, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen.

Zu Gunsten der Klägerin war davon auszugehen, dass sich bei einer bereits im Jahr 2008 erkannten Krebserkrankung noch keine Metastasen gebildet hatten und die Klägerin mit einer weniger belastenden Operation hätte behandelt werden können. Auch eine Chemotherapie wäre der Klägerin dann erspart geblieben. Diesen Verlauf hielt auch der im Verfahren gehörte medizinische Sachverständige für nicht unwahrscheinlich. Im Übrigen hätte sich bei einer früheren Behandlung eine günstigere Prognose für die 5-Jahres-Überlebensrate der Klägerin ergeben. Den Nachweis eines anderen Verlaufs hätte der Beklagte vorliegend aufgrund des groben Behandlungsfehlers erbringen müssen; dies war jedoch nicht der Fall.

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 09.09.2013 14:31
Quelle: OLG Hamm PM vom 9.9.2013

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